Whiskeys Gedenkseite

Wie habe ich diesen Blick mit ihren großen Augen geliebt. Da wurde auch der stärkste Mann bei schwach!
Wie habe ich es geliebt, wenn Whiskey Abends auf die Lehne des Sofas kam, und dann vorsichtig meine Schulter mit ihrer Pfote angestupst hat. Wenn sie danach tollpatschig wie sie war, versuchte auf mich hinaufzuklettern, um dann schlussendlich Seelenruhig auf meiner Seite lag, und ich ihr den Bauch und das Kinn kraulen durfte.

Jeden Morgen hat sie mich beim Aufstehen begrüßt. Ging mit mir ins Bad und schaute mich immer mit ihren großen Augen an. Vor allem wenn sie vor mir her ging. Sie kannte alle Wege auswendig, so dass sie wirklich immer nur mich anschaute und um Aufmerksamkeit buhlte. Und die hat sie bekommen. Ihr “Mau Mau” werde ich nie vergessen. Ich versuche mich ständig daran zu erinnern.
Gerne lag sie mit ihrem Bauch rücklings auf dem Boden. Das sah jedes Mal zu drollig aus. Ihr Lieblingsplatz war ein rotes Kissen auf dem Wohnzimmerschrank. Dort schlief sie stundenlang ohne sich zu bewegen. Den Platz hat sie geliebt. Von da aus hatte sie alles im Blick, und dank des Kratzbaums konnte sie schnell wieder herunterkommen. Da sie etwas dicker war, hörte man schon von weitem, dass sie vom Kratzbaum auf das Sofa gesprungen war.

Wenn es Futter gab, lag sie schon an der Heizung vor den Futternäpfen und hat gewartet. Auch hier wurde ich mit ihrem freudigem “Mau Mau” begrüßt. Zum Ritual gehörte, dass ich sie nun ausgiebig streicheln und kraulen musste. Anschließend gab es das Futter, und sie fraß als Boss der Katzenkolonie immer zuerst.

Schön waren auch die Momente, in denen Whiskey am Abend sich rechts neben mir auf das Sofa gelegt hat. Sie legte sich auf die Seite und massierte mit ihren Pfoten meinen Oberschenkel. Dabei durfte ich ihr dann den weichen Flauschbauch und das Kinn kraulen. Sie hat dabei immer ihre Augen geschlossen, und dabei laut und genießerisch geschnurrt. Ganz besonders mochte sie, wenn ich ihr die hinteren Ballen und Zehen massiert habe. Sie hat dann die Zehen gaaaaanz weit gespreizt, damit ich auch alles massiere.

Immer wenn sie einem in der Küche umgarnte, legte sie sich Plumps auf den Rücken, damit ich ihr den Bauch massieren konnte. Es kam vor, dass sie plötzlich auf den Tisch in der Küche kam, und sich dann einfach auf den Rücken legte. Dabei wandte sie ihren Rehaugenblick an. Dem konnte ich nicht widerstehen, und so war ich ihr nicht böse, und habe dann wieder ihren Bauch gekrault.

Jetzt werden der Platz in der Küche, die Heizung und der Schrank im Wohnzimmer, der Küchentisch, meine linke Seite, und der Platz rechts neben mir auf dem Sofa immer leer bleiben. Ich werde nicht mehr morgens begrüßt von ihr. Sie wird nie wieder vor mir herlaufen und mich dabei anschauen. Ich werde nie wieder das schöne und herzzerreißende “Mau Mau” von ihr hören, dass ich so geliebt habe, Auch ihr Schnurren, was mehr klang wie ein alter verrosteter Motor ist nun für immer verstummt.

Ich sitze nun hier, mache seit zwei Tagen nichts anderes als andauernd zu heulen. Mir fehlt nach all den Schicksalsschlägen die letzten Jahre und Monate die Kraft, weiter nach vorne zu Blicken. Wer mich kennt der weiß, das meine Tiere mein ein und alles sind, und auf einer Stufe mit einem geliebten Menschen stehen. Und gerade Whiskey ist mir in den letzten 3 Jahren extrem ans Herz gewachsen. Sie war so auf mich fixiert, und hat mich geliebt und bedingungslos vertraut.

Ich hätte, egal was ich gemacht hätte, nichts mehr für sie tun können, außer das meine Frau und ich ihr den letzten Weg hätten angenehmer gestalten können. Ich mache mir Vorwürfe, dass wir sie in ihren letzten Minuten mit unserer Panik vermutlich angesteckt haben. Ich werde ihre letzten Rufe, als ich sie runter zur Katzenkiste trug, nie vergessen. Sie klang panisch, als wüsste sie das es zu ende geht. Das war der letzte Moment wo ich sie Lebend auf dem Arm gehabt habe. Danach legten wir sie in eine Decke in der Katzenbox und machten uns auf den Weg. Meine Frau streichelte sie auf den acht Minuten zum Notdienst. Und irgendwann auf diesem Weg ist sie dann für immer von uns gegangen. Aber sie war im letzten Moment ihres Lebens nicht alleine, und wir konnten ihr wenigstens diesen letzten Dienst erweisen.

Ich werde noch lange brauchen, bis ich diesen Verlust verwunden habe. Ich habe sie so geliebt.

Whiskey, du bleibst für immer in meinem Herzen. Ich werde Dich nie vergessen meine Freundin und treue Begleiterin!

Marc

 

Whiskey *29.05.2007 +12.01.2014