Wie ich fast irre geworden bin…
By: Date: 02/04/2026 Categories: Allgemein,Geblogge!,Gedanken zum Tag,Persönliches,Pleiten, Pech und Pannen Schlagwörter: , , , ,
… in einem Job, der nach außen völlig normal aussah

Ich fang mal so an.

Du kennst das vielleicht. Neuer Job. Neuer Start. Man denkt sich, diesmal wird’s gut. Diesmal läuft’s.

Ja. Dachte ich auch.

Und dann sitzt du da. Erster Tag. Laptop da. Zugänge irgendwie zusammengeklickt. Alle freundlich. Wirklich. Nette Leute. Kaffee ist okay. Gespräche sind okay.

Und dann kommt dieser Moment.

Du sitzt da und denkst.

Und was genau mache ich jetzt.


Der Anfang. Findest du schon rein. Ja danke für nichts

Ich hab ja keine Mondlandung erwartet. Wirklich nicht.

Ich hab nicht erwartet.

  • perfekten Onboarding Plan
  • 120 Seiten Doku
  • persönlichen Mentor mit Tagesstruktur

Aber so ein Minimum wäre schon geil gewesen.

Stattdessen.

  • Frag einfach
  • Mach mal mit
  • Guck dir das an

Ja. Mach ich.

Aber ganz ehrlich. Das ist kein Onboarding. Das ist Trial und Error mit Menschenmaterial.

Und dann sitzt du da, klickst dich durch Tickets, liest dich rein, versuchst zu verstehen, wer hier eigentlich was entscheidet und merkst relativ schnell.

Hier entscheidet keiner so richtig.

Oder schlimmer.

Jeder ein bisschen. Und keiner verbindlich.


Arbeiten ohne Rahmen ist wie Autofahren im Nebel

Ich hab gearbeitet. Wirklich.

Nicht dieses ja ich war halt online. Ich hab Dinge gemacht, analysiert, dokumentiert, versucht Struktur reinzubringen.

Aber es fühlt sich komplett anders an, wenn du keine klare Priorisierung hast, kein Feedback bekommst und nicht weißt, ob das gerade sinnvoll ist.

Du weißt nicht, ob das jemand sieht. Du weißt nicht, ob das gewollt ist.

Dann arbeitest du nicht.

Dann irrst du professionell durch ein System.

Und das ist extrem anstrengend.

Weil dein Kopf die ganze Zeit arbeitet.

  • War das jetzt richtig
  • War das wichtig
  • Hätte ich was anderes machen sollen
  • Bin ich zu langsam
  • Bin ich unsichtbar

Und irgendwann kommt der Klassiker.

Bin ich einfach zu doof.


Der Punkt, an dem du anfängst, an dir zu zweifeln

Das ist das perfide.

Nicht das Chaos an sich.

Sondern dass du irgendwann denkst.

Das Problem bin ich.

Weil keiner dir sagt, was gut ist. Keiner sagt dir, was schlecht ist. Keiner sagt dir überhaupt irgendwas.

Also bastelt dein Kopf sich selbst ein Feedbacksystem.

Und das sieht dann ungefähr so aus.

  • keine Rückmeldung gleich schlecht
  • keine Aufgaben gleich ich bin unnötig
  • keine Struktur gleich ich check es nicht

Und währenddessen sitzt das eigentliche Problem ganz entspannt im System und denkt sich.

Läuft doch.


Und dann kam das Gehalt. Und ab da war Schluss mit lustig

Bis hierhin könnte man noch sagen. Ja gut, ist halt ein bisschen chaotisch.

Kann passieren.

Aber dann kommt der Moment, wo es nicht mehr um Gefühl geht, sondern um Fakten.

Gehalt.

Und plötzlich kommt es spät. Wird erklärt. Wird relativiert.

Und dann dieser Satz.

Ein Kunde hat nicht gezahlt.

Ich sag dir ehrlich. In dem Moment hab ich innerlich komplett zugemacht.

Weil ich mir denke.

Alter. Ernsthaft.

Das ist nicht mein Problem.

Ich bin Arbeitnehmer. Ich bin kein Risikopuffer für dein Geschäftsmodell.

Wenn dein Laden nur funktioniert, wenn jeder Kunde brav zahlt, dann hast du kein Unternehmen.

Dann hast du ein Kartenhaus mit WLAN.


Kommunikation wie ein schlechter Wetterbericht

Und dann die Kommunikation dazu.

Nicht klar. Nicht ehrlich. Nicht geradeaus.

Sondern so ein.

  • Wir kümmern uns
  • Das wird
  • Bitte Verständnis

Ja. Hab ich. Wirklich.

Aber Verständnis ersetzt keine Sicherheit.

Und genau das fehlt.

Und dann passiert was richtig Beschissenes.

Du fängst an, alles zu interpretieren.

  • Wer war heute im Büro vom Chef
  • Warum ist die Tür zu
  • Warum kommt keine Mail
  • Warum schreibt keiner
  • Warum ist alles so ruhig

Du wirst zum Hobby Detektiv in deinem eigenen Job.

Und das ist so ein Punkt, wo ich sage.

Das macht dich kaputt. Langsam, aber zuverlässig.


Und jetzt kommt der Teil, über den keiner spricht

Ich hab nicht einfach nur gearbeitet.

Ich hab gleichzeitig versucht.

  • mich zu orientieren
  • mich zu stabilisieren
  • mich nicht verrückt zu machen
  • mich nicht komplett reinzusteigern

Weil wenn du eh schon jemand bist, der viel denkt und dann sitzt du in so einem Umfeld, dann eskaliert das.

Nicht nach außen.

Sondern innen.

Und das ist das Gefährliche.

Du funktionierst noch.

Aber innen läuft schon Dauerfeuer.


Mein persönlicher Tiefpunkt war nicht ein Ereignis

Es gab keinen großen Knall.

Kein jetzt ist alles vorbei Moment.

Es war eher so.

  • ein bisschen Chaos
  • ein bisschen Unsicherheit
  • ein bisschen fehlende Führung
  • ein bisschen komische Kommunikation
  • ein bisschen Geld Thema

Und dann alles zusammen.

Und plötzlich sitzt du da und merkst.

Ich bin nicht mehr entspannt. Gar nicht mehr.


Dann hab ich angefangen zu schreiben

Nicht für die Firma.

Für mich.

Weil ich irgendwann gemerkt habe, wenn ich das nicht irgendwie sortiere, dreh ich komplett am Rad.

Also hab ich angefangen.

  • Dinge aufzuschreiben
  • Muster zu erkennen
  • Abläufe zu dokumentieren
  • Gedanken zu ordnen

Und plötzlich wurde aus diesem diffusen Gefühl etwas Konkretes.

Und das war ein krasser Moment.

Weil ich gemerkt habe.

Ich bilde mir das nicht ein.

Das ist real.


Die unbequeme Wahrheit

Ich sag es dir, wie ich es inzwischen sehe.

Du kannst dich noch so anstrengen.

Wenn das System keine klare Führung hat, keine saubere Kommunikation hat, wirtschaftlich wackelt und strukturell unscharf ist.

Dann wirst du das nicht wegperformen.

Das funktioniert nicht.


Mein Fazit

Ich habe irgendwann verstanden.

Ich sitze in einem System, das mir keine Stabilität gibt und versuche trotzdem, darin stabil zu funktionieren.

Und das ist ein Spiel, das du auf Dauer verlierst.

Egal wie gut du bist.


Und jetzt mal ehrlich

Wenn du das hier liest und denkst.

Das kommt mir bekannt vor.

Dann stell dir eine Frage.

Wie viel Energie steckst du gerade in deinen Job und wie viel davon geht nicht in Arbeit, sondern in Nachdenken, Absichern und Grübeln.

Wenn die Antwort ist zu viel.

Dann liegt es vielleicht nicht daran, dass du zu schwach bist.

Sondern daran, dass das System einfach nicht sauber läuft.


Der Satz, den ich viel zu spät verstanden habe

Du bist nicht dafür verantwortlich, ein kaputtes System durch persönliche Leistung zu kompensieren.

Und ja. Das tut weh.

Weil man es eigentlich genau so versucht.


Und falls sich jetzt jemand fragt.

Nein. In diesem Text wurden keine Server neu gestartet, keine Tickets eskaliert und keine Prozesse sauber dokumentiert.

Nur ein bisschen Realität.

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