Vom Licht, den falschen Menschen und dieser verdammt praktischen Sache mit der eigenen Erinnerung
By: Date: 01/09/2026 Categories: F.U.B.A.R.,Geblogge!,Gedanken zum Tag,Innenleben,Mein Senf dazu!,Persönliches,Vergangenheit Schlagwörter: , , , , , , ,

Manchmal höre oder lese ich Geschichten und denke mir einfach nur: spannend. Wirklich spannend. Vor allem dann, wenn ich bei Teilen dieser Geschichte selbst dabei war und irgendwann kurz überlegen muss, ob ich vielleicht versehentlich in einem Paralleluniversum gelebt habe.

Da erzählt jemand von schweren Zeiten, vom Funktionieren, vom Alleinsein, von falschen Menschen, echten Freunden, Heilung, Seelenfrieden und natürlich vom Licht am Ende des Tunnels. Und ich sitze da und denke: Ach guck. So war das also. Gut zu wissen. Hätte mir damals vielleicht jemand sagen sollen.

Ich beschäftige mich inzwischen ziemlich viel damit, wie wir Menschen unsere Vergangenheit erzählen. Nicht mal unbedingt aus Bosheit. Unser Kopf ist einfach keine Überwachungskamera. Wir speichern nicht alles sauber ab und spielen es Jahre später unverändert wieder ab. Wir sortieren, gewichten, vergessen und geben Dingen im Nachhinein manchmal eine Bedeutung, die sie damals vielleicht noch gar nicht hatten.

Das passiert mir genauso. Ich halte mich da nicht für irgendeine Ausnahme. Im Gegenteil. Gerade deshalb finde ich es schwierig, wenn aus einer komplizierten gemeinsamen Geschichte irgendwann etwas erstaunlich Einfaches wird. Hier der verletzte Mensch. Dort die falschen Menschen. Hier Dunkelheit. Dort endlich Licht. Fertig. Staffel abgeschlossen. Bösewicht rausgeschrieben. Neuer Handlungsbogen.

Wenn das echte Leben nur auch so schön aufgeräumt wäre.

Meins war es jedenfalls nie. Bei mir waren Menschen gleichzeitig toll und anstrengend. Menschen haben mir geholfen und mich trotzdem verletzt. Ich habe Menschen geliebt und war trotzdem manchmal ein Arsch. Ich habe Dinge richtig gemacht und andere komplett verkackt. Das ist natürlich maximal unpraktisch, wenn man später eine schöne Heldengeschichte aus der Vergangenheit bauen möchte. Dafür braucht man klare Rollen. Das echte Leben liefert die nur leider ziemlich selten.

Eine Sache habe ich inzwischen verstanden: Gefühle sind echt. Aber Gefühle sind keine Chronik.

Ich kann mich alleine fühlen, obwohl jemand neben mir sitzt. Ich kann mich nicht verstanden fühlen, obwohl sich jemand seit Monaten den Arsch aufreißt, mich zu verstehen. Ich kann mich verlassen fühlen, obwohl andere im Hintergrund ständig versuchen, Dinge zusammenzuhalten. Ich kann mich ungeliebt fühlen, obwohl mich jemand liebt.

Das macht das Gefühl nicht falsch. Überhaupt nicht. Es macht daraus aber auch keine objektive Dokumentation dessen, was passiert ist.

Genau deshalb habe ich seit Jahren eine ziemlich nervige Angewohnheit: Ich schreibe Dinge auf. Nach Streit. Nach schwierigen Gesprächen. Wenn mir etwas komisch vorkommt oder ich merke, dass ich später noch darüber nachdenken werde. Keine geheimen Akten, bevor jetzt jemand nervös wird. Einfach Notizen. Was war los? Was wurde gesagt? Was hat mich gestört? Was wollte ich beim nächsten Gespräch ansprechen? Wo lag vielleicht auch mein eigener Anteil?

Ich mache das nicht, weil ich glaube, damit die absolute Wahrheit zu besitzen. So größenwahnsinnig bin ich dann doch nicht. Ich mache es, weil ich weiß, wie schnell Erinnerung nach emotionalen Situationen anfängt, Dinge umzubauen. Wenn ich heute manche alten Notizen lese, sehe ich wenigstens noch, was mich direkt nach einer Situation beschäftigt hat. Nicht Monate später. Nicht Jahre später. Direkt danach.

Und manchmal lese ich meine eigenen Notizen und denke: Alter Montie, da warst du aber auch ein ziemlicher Vollidiot.

Auch das steht dann da.

Scheiße für die Heldengeschichte. Gut für die Realität.

Ich habe auch funktioniert

Dieses Wort hat für mich inzwischen einen ziemlich besonderen Beigeschmack. Funktionieren. Ich habe verdammt lange funktioniert. Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, habe ich versucht, eine Lösung zu finden. Wenn jemand Hilfe brauchte, habe ich geholfen. Wenn etwas organisiert werden musste, habe ich organisiert. Wenn etwas erklärt werden musste, habe ich erklärt. Und wenn wieder irgendeine Baustelle vor der Tür stand, habe ich geschaut, wie man sie irgendwie wegkriegt.

So etwas passiert nicht von heute auf morgen. Es gibt keinen Vertrag, in dem plötzlich steht: Ab jetzt bist du für alles zuständig. Du hilfst einmal. Dann noch einmal. Und noch einmal. Irgendwann bist du automatisch die Anlaufstelle. Herzlichen Glückwunsch. Neue Stelle. Keine Ausschreibung, kein Vorstellungsgespräch, Bezahlung eher schwierig, Verantwortung dafür reichlich.

Emotionaler Support, organisatorischer Support, technischer Support, Krisenmanagement, manchmal Geld, manchmal Logistik und IT sowieso. IT ist immer dabei. Ich könnte wahrscheinlich auf einer einsamen Insel sitzen und irgendjemand würde mich fragen, warum sein WLAN nicht funktioniert.

Ein Teil davon war Liebe. Ganz klar. Ein anderer Teil war aber auch mein eigener Fehler. Ich habe viel zu spät Grenzen gesetzt. Ich habe zu oft gedacht, Verständnis müsse automatisch bedeuten, noch einmal zu erklären, noch einmal zu helfen und noch einmal irgendetwas aufzufangen. Irgendwann war ich so verständnisvoll, dass ich teilweise selbst nicht mehr wusste, was ich eigentlich wollte.

Großartige Leistung. Null Sterne. Keine Empfehlung.

Ich werde meine Geschichte deshalb auch nicht so erzählen, als wäre ich der heilige Montie von Hasbergen, Schutzpatron der verlorenen WLAN Passwörter und emotional überlasteten Partner. Bullshit. Ich war irgendwann genervt. Ich war sarkastisch. Ich wurde härter. Ich habe Dinge gedacht und manchmal auch gesagt, auf die ich rückblickend nicht besonders stolz bin.

Ich wollte irgendwann einfach nur raus. Nicht, weil der andere Mensch plötzlich wertlos war. Sondern weil ich keine Kraft mehr hatte. Das ist für mich ein ziemlich wichtiger Unterschied.

Ein großes Thema war dabei immer Rückzug. Ich brauche Ruhe. Schon immer. Ich brauche Zeiten, in denen ich einfach niemanden um mich haben möchte. Kein versteckter Hilferuf. Keine große Botschaft. Kein Drama. Akku leer. Montie muss an die Steckdose.

Eigentlich ein simples Konzept. Schwierig wird es dann, wenn ein anderer Mensch genau diese Ruhe als Gefahr empfindet. Dann bedeutet mein Rückzug plötzlich etwas. Dann kommen Fragen. Ist etwas? Habe ich etwas gemacht? Warum bist du so? Was ist los? Und irgendwann erklärst du nicht mehr, warum du Ruhe brauchst. Du erklärst, warum die Tatsache, dass du Ruhe brauchst, nicht gleichzeitig bedeutet, dass gerade die komplette Beziehung zusammenbricht.

Irgendwann brauchst du dann Ruhe von den Gesprächen darüber, warum du Ruhe brauchst.

Kannste dir nicht ausdenken.

Heute sehe ich darin keinen simplen Täter und kein simples Opfer. Vielleicht braucht der eine sehr viel Nähe, Sicherheit und Rückversicherung. Vielleicht braucht der andere Vertrauen, Freiheit und das Gefühl, auch mal eine Tür zumachen zu können, ohne dass direkt ein Beziehungsgipfel einberufen wird. Beides kann nachvollziehbar sein. Zusammen kann es trotzdem richtig beschissen werden.

Dann beginnt dieser wunderbare Kreislauf. Der eine sucht mehr Nähe. Der andere zieht sich zurück. Dadurch wird der erste unsicherer und sucht noch mehr Nähe. Der zweite fühlt sich immer stärker bedrängt und zieht sich noch weiter zurück. Am Ende fühlen sich beide nicht gesehen.

Der eine denkt: Warum lässt du mich alleine?

Der andere denkt: Warum lässt du mich verdammt nochmal nicht alleine?

Und beide können Jahre später eine Geschichte darüber erzählen, in der sie selbst ziemlich gut aussehen.

Diese Sache mit den richtigen und falschen Menschen

Was mich inzwischen auch beschäftigt, ist diese Sortierung von Menschen. Die richtigen Menschen. Die falschen Menschen. Diejenigen, die einen wirklich sehen. Diejenigen, die es angeblich nie getan haben.

Ich finde das ehrlich gesagt fast niedlich, weil es das Leben so herrlich einfach macht.

Freundschaften verschwinden. Natürlich. Menschen verlieben sich, ziehen um, bekommen neue Jobs, neue Partner, andere Interessen. Manche Menschen bleiben, andere eben nicht. Das ist vollkommen normal. Interessant wird es für mich nur dann, wenn frühere Bezugspersonen irgendwann fast vollständig aus der eigenen Geschichte verschwinden, obwohl sie vorher angeblich unglaublich wichtig waren.

Da gibt es enge Freundschaften, manchmal sogar diese ganz großen Freundschaften fürs Leben. Dann kommt eine neue Beziehung, ein neuer Lebensmittelpunkt, eine neue Phase und plötzlich rutschen Menschen ziemlich weit nach hinten. Später wird dann wieder darüber gesprochen, wie wichtig echte Freunde sind und wie wertvoll die Menschen sind, die wirklich bleiben.

Da muss ich manchmal ein bisschen schmunzeln.

Nicht böse.

Okay. Ein bisschen vielleicht.

Ich bin auch nur ein Mensch.

Und dann gibt es noch die anderen. Menschen, die fahren, schleppen, organisieren und ihre Freizeit opfern. Menschen, die auftauchen, wenn gerade alles beschissen läuft. Menschen, die sich wirklich den Hintern aufreißen, obwohl sie eigentlich überhaupt nicht zuständig wären. Manche davon sind später ebenfalls nicht mehr da.

Vielleicht wurden sie verprellt. Vielleicht waren sie enttäuscht. Vielleicht waren sie irgendwann einfach müde. Ich kenne nicht jede Seite jeder Geschichte und werde deshalb sicher nicht behaupten, immer zu wissen, warum eine Freundschaft endet.

Aber ich glaube an Muster.

Wenn ich mit einem Menschen ein Problem habe, kann der andere einfach ein Arsch sein. Wenn ich mit fünf Menschen immer wieder dasselbe Problem habe, sollte ich vielleicht irgendwann vorsichtig nach einem Spiegel suchen. Das ist unbequem. Spiegel sind generell scheiße. Vor allem morgens. Aber manchmal helfen sie.

Vielleicht war der Freund, der irgendwann gegangen ist, nicht falsch. Vielleicht hatte er einfach keinen Bock mehr. Vielleicht war die beste Freundin nicht plötzlich unwichtig, sondern wurde nur eine ganze Zeit lang ziemlich weit nach hinten geschoben. Vielleicht war der Helfer, der später nicht mehr auftauchte, kein schlechter Mensch. Vielleicht hatte er einfach lange genug geholfen.

Und vielleicht sind Menschen, die irgendwann etwas zurückhaben möchten, auch nicht automatisch herzlos.

Damit wären wir bei einem herrlich unpoetischen Thema: Verantwortung.

Wir reden gerne über Verantwortung, solange es um Selbstfürsorge geht. Auf sich hören. Grenzen setzen. Menschen loslassen, die einem nicht guttun. Das ist alles richtig. Nur funktioniert Verantwortung nicht nur in die Richtung, die einem gerade gefällt. Eher wie Leuchtspurmunition. Man sieht irgendwann ziemlich deutlich, wo etwas herkommt und wo es einschlägt. Sie endet nicht beim eigenen Wohlbefinden.

Da gibt es Zusagen. Dinge, bei denen andere eingesprungen sind. Verpflichtungen, die nicht einfach verschwinden, nur weil ein Lebensabschnitt vorbei ist. Und ja, manchmal gehört auch Geld dazu. Offene Beträge passen beschissen zu Licht, Heilung und persönlicher Entwicklung. Zahlen sind einfach furchtbar unromantisch. Die interessieren sich nicht dafür, ob jemand gerade seinen Seelenfrieden gefunden hat.

Sie liegen einfach weiter da.

Eine offene Rechnung sagt nicht: Schön, dass du dich entwickelt hast.

Die sagt: Hallo. Ich bin übrigens noch da.

Persönliche Entwicklung ist schön. Sie ist nur leider keine Buchungsmethode.

Das macht niemanden automatisch zu einem schlechten Menschen. Finanzielle Probleme gibt es. Ich kenne sie selbst. Es bedeutet nur, dass Verantwortung nicht verschwindet, weil die eigene Geschichte inzwischen eine andere Richtung genommen hat.

Für mich gilt das übrigens nicht nur bei Geld. Verantwortung betrifft auch Menschen, Freundschaften und alles, wofür man sich irgendwann entschieden hat. Man kann vieles organisieren und delegieren. Manchmal muss man das sogar. Aber Versorgung und wirklich da sein sind eben nicht immer dasselbe.

Vielleicht liegt darin sogar eine gewisse Ironie. Man kann sich selbst unglaublich alleine fühlen und gleichzeitig Menschen um sich haben, die im Hintergrund ständig Dinge auffangen. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Genau deshalb komme ich immer wieder bei diesem einen Satz an: Gefühle sind echt. Aber sie sind keine Chronik.

Und dann kommt irgendwann das Licht

Das Bild vom Licht finde ich tatsächlich schön. Menschen brauchen Hoffnung. Menschen brauchen andere Menschen. Ich habe ebenfalls Menschen, die mein Leben heller machen. Menschen, bei denen ich mich wohlfühle, denen ich vertraue und bei denen ich nicht ständig überlegen muss, was ein falscher Satz jetzt wieder auslösen könnte.

Aber ich habe für mich etwas verstanden: Kein anderer Mensch sollte mein Licht sein müssen.

Das ist mir inzwischen zu viel Verantwortung für jemanden, der morgens vielleicht selbst erstmal Kaffee braucht.

Ein Mensch darf mein Leben bereichern. Er darf mir Nähe geben, Ruhe, Liebe und Sicherheit. Alles wunderbar. Aber wenn mein gesamter Seelenfrieden davon abhängt, dass dieser Mensch da ist und genau das tut, was ich emotional gerade brauche, dann wird es schwierig. Dann habe ich irgendwann keine normale Beziehung mehr. Dann habe ich eine externe Stromversorgung.

Und wehe, jemand zieht den Stecker.

Das möchte ich nie wieder. Weder für mich noch für jemand anderen.

Ich möchte nicht gerettet werden. Und ich möchte niemanden retten. Ich möchte auch nicht mehr der Mensch sein, der irgendwann für das Wohlbefinden eines anderen verantwortlich wird, weil er am Anfang zu oft gesagt hat: Komm, ich kümmere mich.

Ich werde trotzdem helfen. Natürlich. Das gehört zu mir und wird wahrscheinlich immer so bleiben. Aber inzwischen kenne ich ein Wort, das ich früher viel zu selten benutzt habe: Nein.

Fantastisches Wort. Vier Buchstaben. Spart Stunden an Diskussionen.

Kann ich empfehlen.

Meine Geschichte muss nicht schöner sein, als sie war

Vielleicht ist genau das meine Version von Seelenfrieden. Kein großer Neuanfang. Keine dramatische Reise. Keine komplette Aufteilung meiner Vergangenheit in Dunkelheit und Licht. Einfach die Erkenntnis, dass Menschen kompliziert sind. Dass ich kompliziert bin. Dass Beziehungen scheitern können, ohne dass einer von beiden Satan persönlich gewesen sein muss.

Jemand kann mich verletzt haben und ich kann ihn trotzdem ebenfalls verletzt haben. Ich kann geholfen und dabei trotzdem Fehler gemacht haben. Ein anderer Mensch kann sich alleine gefühlt haben, obwohl er objektiv nicht in jeder Hinsicht alleine gelassen wurde. Diese Dinge schließen sich nicht aus.

Das ist weniger schön. Weniger rund. Und wahrscheinlich auch deutlich schlechter für eine große Geschichte über Heilung und Neuanfang. Aber für mich ist es näher am echten Leben.

Andere Menschen dürfen ihre Version erzählen. Natürlich. Sie dürfen mich darin scheiße finden. Sie dürfen glauben, ich hätte sie nicht verstanden. Sie dürfen sich alleine gefühlt haben. Sie dürfen Menschen aus ihrer Vergangenheit in irgendwelche Schubladen stecken. Ich kann das nicht verhindern und will es inzwischen auch gar nicht mehr.

Aber ich darf meine Geschichte ebenfalls behalten.

Und in meiner Geschichte waren die Dinge wesentlich komplizierter. Da gab es Menschen, die geholfen haben. Freunde, die irgendwann verschwanden. Andere, die viel länger blieben, als ich erwartet hätte. Menschen, die Zeit gegeben haben. Menschen, die Geld gegeben haben. Menschen, die ihre Autos, ihre Kraft und ihre freien Tage zur Verfügung gestellt haben. Menschen, die Dinge übernommen haben, um die sie sich eigentlich überhaupt nicht hätten kümmern müssen.

Einige davon tauchen in späteren Erzählungen vielleicht kaum noch auf. So ist Erinnerung. Selektiv. Meine vermutlich auch.

Genau deshalb schreibe ich Dinge auf. Genau deshalb lese ich meine alten Notizen manchmal mit ziemlich gemischten Gefühlen. Weil ich dort eben auch einen Montie finde, der nicht immer ruhig, vernünftig und reflektiert war. Manchmal war ich verletzt. Manchmal wütend. Manchmal unfair. Und manchmal einfach nur fertig.

Ich möchte meine Vergangenheit nicht nachträglich glattbügeln, nur damit sie besser zu dem Menschen passt, der ich heute sein möchte. Meine Fehler gehören dazu. Meine Grenzen gehören dazu. Meine Wut gehört dazu. Genauso wie das, was ich gegeben, getragen und viel zu lange mitgemacht habe.

Ich schreibe hier keine Wahrheit auf Steintafeln. Ich schreibe meine Wahrnehmung, meine Erinnerungen und meine Gedanken. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger.

Und eine Sache weiß ich inzwischen ziemlich sicher: Ich werde mich nie wieder komplett selbst verlieren, nur damit ein anderer Mensch sich nicht alleine fühlt. Ich werde helfen. Ich werde lieben. Ich werde da sein. Aber irgendwann endet meine Verantwortung und die eines anderen Menschen beginnt.

Das ist nicht kalt. Das ist nicht automatisch falsch. Und es braucht auch kein großes Wort dafür.

Das nennt man einfach Grenze.

Hat bei mir nur knapp ein halbes Leben gedauert, bis ich das verstanden habe. Bisschen langsam. Aber immerhin.

Step by Step, würde ich sagen.

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