Oder: Wie ich irgendwann gelernt habe, dass „ganz kurz reden“ eine verdammt dehnbare Zeitangabe sein kann.
Vorweg: Alle Namen in diesem Text sind verändert. Einzelne Details habe ich zusammengefasst oder verfremdet, wenn sie für die eigentliche Geschichte keine Rolle spielen.
Grundlage dieses Beitrags sind meine damaligen Nachrichten, Mitschriften, Gesprächsnotizen, Zeitangaben und andere Unterlagen aus dieser Zeit. Den ganzen Kram habe ich über Monate zusammengesucht, chronologisch sortiert und anschließend mit KI ausgewertet.
Nicht, damit mir eine Maschine erklärt, dass ich natürlich der Gute war und alle anderen doof.
Das wäre einfach gewesen.
Ich wollte diese Beziehungsdynamik verstehen.
Was ist damals eigentlich passiert? Welche Themen kamen immer wieder? Passt meine heutige Erinnerung überhaupt zu dem, was ich damals selbst geschrieben habe? Wo war Mona unfair zu mir? Wo war ich irgendwann selbst ein Arsch? Was ist tatsächlich dokumentiert und wo fängt meine heutige Interpretation an?
Darum geht es hier.
NACHRICHT
Wörtlich aus einer damaligen Nachricht übernommen.
ANTWORT
Wörtliche Antwort einer anderen Person.
DOKUMENTIERT
In meinen damaligen Unterlagen belegt, aber nicht als Chatnachricht.
SINNGEMÄSS
Inhalt oder Position sind nachvollziehbar, die Formulierung ist aber nicht als wörtliches Zitat belegt.
RED TEAM
Gegenprüfung meiner eigenen Darstellung. Also bewusst die Frage: Wo mache ich es mir selbst vielleicht zu einfach?
Ich habe in den letzten Monaten ziemlich tief in einer Zeit herumgewühlt, von der ich eigentlich dachte, dass sie längst halbwegs ordentlich im Archiv liegt. Beziehung vorbei, Erfahrungen mitgenommen, Deckel drauf, nächste Baustelle.
War natürlich Quatsch.
Beim Durchsehen fand ich alte Nachrichten, Mitschriften, Gesprächsnotizen und Zeitangaben. Teilweise Sachen, die direkt während oder kurz nach irgendwelchen Situationen entstanden waren. Und bei einigen davon saß ich wirklich da und dachte:
Alter, Montie. Du hast das damals doch schon gesehen. Warum zur Hölle bist du noch drei weitere Runden im Karussell gefahren?
Meine Erinnerung sagt mir schon lange, dass diese Diskussionen einfach nicht aufhörten. Immer wieder dieselben Themen. Immer wieder Eifersucht. Immer wieder mein Wunsch nach Ruhe. Und immer wieder dieses beeindruckende Kunststück, aus irgendeiner relativ kleinen Sache einen kompletten Abend zu machen.
Nur sind Erinnerungen eben keine Logdateien. Sie verändern sich. Man verbindet Dinge miteinander, verschiebt Zeitpunkte und erinnert sich irgendwann vielleicht stärker an das Gefühl als an den eigentlichen Ablauf.
Also wollte ich wissen, ob meine Erinnerung überhaupt stimmt.
Freitagabend. Eigentlich.
Wer mich kennt weiß, dass ich gerne zocke. Nicht dieses komplett isolierte acht Stunden vor dem Monitor sitzen und mit keinem Menschen reden. Bei mir gehört der Voicechat dazu. Leute, Blödsinn labern, lachen, gemeinsam irgendwas spielen und fünf Minuten später über irgendeinen völligen Scheiß reden, bei dem keiner mehr weiß, wie wir überhaupt auf das Thema gekommen sind.
Gerade Freitag oder Samstag war das für mich oft der Punkt, auf den ich mich gefreut habe. Rechner an. Headset auf. Leute da. Für ein paar Stunden Ruhe im Kopf.
So war zumindest der Plan.
Und Pläne sind ja bekanntlich hauptsächlich dafür da, dass das Leben etwas zum Auslachen hat.
Natürlich.
Ganz kurz.
Die erfahrenen Leser wissen an dieser Stelle bereits, dass „ganz kurz“ in Beziehungen ungefähr dieselbe zeitliche Genauigkeit besitzt wie „bin in fünf Minuten da“.
Aus einer Frage konnte eine zweite werden. Dann kam eine Erklärung. Dann ein Gefühl. Dann irgendeine alte Situation. Und irgendwann stand noch irgendeine Frau mit im Raum, obwohl die fünf Minuten vorher überhaupt nichts mit der Sache zu tun hatte.
Dann ging es darum, warum ich mit anderen Leuten so locker sein kann. Warum ich mit denen so viel lache. Warum ich überhaupt lieber mit anderen Leuten spiele.
Irgendwann wollte ich einfach wieder zurück zu meinen Leuten.
Problem:
Genau dieser Wunsch konnte dann direkt das nächste Thema werden.
Und irgendwann war der Abend weg. Teilweise war auch die Nacht weg.
Ich erinnere mich an einen Streit von ungefähr acht Stunden. Diese konkrete Dauer kann ich mit dem Material, das ich heute noch habe, nicht lückenlos belegen. Also mache ich daraus auch keine nachträglich auf die Minute vermessene historische Tatsache.
Was ich sehr wohl nachvollziehen kann, sind andere mehrstündige Diskussionen, Streit mitten in der Nacht und Nachrichten, in denen ich schon damals ziemlich deutlich geschrieben habe, dass mir das alles zu viel wird.
Und genau dieses Gefühl zieht sich durch die Unterlagen: Es hörte einfach nicht auf.
Willkommen im Minenfeld
Meine damalige Partnerin heißt in diesem Text Mona Minenfeld.
Der Name passt rückblickend leider erschreckend gut.
Eine alte Bekannte wird zu Gisela Gegenwind. Dann hätten wir noch Berta Brandmelder, Wilma Windel, Kathy Katjes und Lina Leuchte. Mein Onkel bekommt die Rolle Onkel Brummel und meine Mutter ist natürlich Mutti Einsatzleitung.
Montie bleibt Montie.
Ich hätte mir ebenfalls irgendeinen Kunstnamen geben können. Aber wenn einer immer wieder mit offenen Augen in dasselbe Minenfeld marschiert und sich hinterher darüber wundert, dass es knallt, dann kann der seinen Namen ruhig behalten.
25. April 2025: Man könnte jetzt bereits stutzig werden
Am Morgen des 25. April schrieb ich meiner Mutter, dass Mona nachts gegen halb zwei angefangen hatte zu streiten und die Diskussion ungefähr bis vier Uhr ging.
Zweieinhalb Stunden. Mitten in der Nacht.
Außerdem schrieb ich, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Abende hintereinander Streit gegeben hatte.
Dann kommt der Teil, bei dem es für die spätere Geschichte interessant wird.
Ja, ich weiß. Skandal. Ein erwachsener Mann sitzt am Rechner und hat Spaß. Bundeswehr alarmieren.
Danach wanderte die Diskussion weiter. Zukunft, Unsicherheit, Umzug und irgendwann Gisela Gegenwind. Ich hatte mit ihr Kontakt gehabt und Mona davon nicht erzählt. Für Mona war das offenbar ein Vertrauensproblem.
Und ganz ausdrücklich: Das kann ich sogar nachvollziehen.
Darüber kann man reden. Wenn etwas für den Partner wichtig wirkt und man erfährt es später, kann das Unsicherheit auslösen. Keine Frage.
Interessant ist für mich vielmehr, was ich meiner Mutter direkt danach schrieb:
Ob wirklich alles davor nur Vorwand war, weiß ich nicht. Das war meine damalige Sicht auf die Sache. Keine Tatsache über Monas Gedanken und auch kein Beweis für irgendeine Absicht.
Aber die Struktur taucht später wieder auf.
Ein Streit beginnt bei A. Dann geht es zu B. C nehmen wir vorsichtshalber auch noch mit. Und irgendwann stehen wir wieder bei Nähe, Eifersucht, Vertrauen oder der Frage, warum ich gerade lieber mit anderen Menschen rede.
Am selben Morgen schrieb ich noch etwas anderes:
Eigentlich ziemlich klar.
Das war April.
Ich hatte also offenbar schon verstanden, dass unsere Bedürfnisse bei Nähe, Kommunikation und Freiraum nicht besonders gut zusammenpassten.
Mein Fehler war nur, daraus keine vernünftige Konsequenz zu ziehen.
Stattdessen versuchte ich, zwei komplett unterschiedliche Betriebssysteme mit selbstgebauten Treibern kompatibel zu bekommen.
Als IT Mensch natürlich logisch.
Als Beziehungskonzept eher so mittel.
26. Mai 2025: Du darfst Freiraum haben. Aber bitte nicht benutzen.
Einen Monat später wird es noch deutlicher.
„Mal zwei Tage nur für mich.“
Danach beschrieb ich ziemlich konkret, was mich an diesem Wochenende genervt hatte:
„Und ich mit ihr nicht so lache.“
Wenn Freiraum plötzlich Folgen hat
Genau da glaube ich heute, dass das eigentliche Problem nie der PC war.
Der Rechner war nur die Bühne.
Dort wurde sichtbar, dass ich locker sein konnte. Dass ich lachte. Dass ich Blödsinn erzählte. Dass ich mit anderen Menschen Spaß hatte und für ein paar Stunden nicht über Beziehung, Zukunft, Probleme oder Gefühle reden wollte.
Ich war einfach Montie.
Ohne Auftrag. Ohne Problemlösung. Ohne Bereitschaftsdienst.
Wenn jemand sowieso empfindlich auf Distanz reagiert, kann genau das wahrscheinlich ziemlich wehtun. Warum ist er mit denen so locker? Warum lacht er dort so? Warum möchte er gerade lieber bei diesen Leuten sein? Warum braucht er mich nicht?
Heute kann ich diese Seite besser verstehen als damals.
Nur wurde die Wirkung auf mich dadurch nicht weniger beschissen.
Denn am selben Tag schrieb ich einen Satz, der rückblickend fast die Gebrauchsanweisung unserer Beziehung war:
Und genau das ist für mich der Punkt.
Wenn jemand sagt, dass du natürlich zocken darfst, selbstverständlich alleine sein kannst und deinen Rückzug haben sollst, die tatsächliche Nutzung dieses Freiraums aber immer wieder schlechte Stimmung, Enttäuschung oder lange Gespräche produziert, fühlt sich der Freiraum irgendwann nicht mehr besonders frei an.
Du darfst ihn haben.
Du bezahlst nur hinterher dafür.
Mit Nerven.
Irgendwann überlegst du schon vorher: Ist heute irgendwas? Kann ich einfach spielen? Was passiert, wenn ich viel lache? Was passiert, wenn eine Frau mit im Voicechat sitzt? Kann ich wirklich drei Stunden meine Ruhe haben, ohne dass daraus wieder irgendwas wird?
Und irgendwann startet der Abend nicht mehr mit Vorfreude.
Bitte heute nicht wieder.
Am selben Tag schrieb ich übrigens noch:
Mit Smiley.
Natürlich.
Wenn es unangenehm wird, machen wir erstmal einen Witz draus. Funktioniert hervorragend. Ungefähr so lange, bis es nicht mehr funktioniert.
28. Juli 2025: Jetzt Monolog
Ende Juli schrieb ich während einer laufenden Situation an Mutti Einsatzleitung:
Aus dieser Zeit habe ich mehrere Mitschriften, Gesprächsnotizen und Nachrichten aufbewahrt. Damit lässt sich zumindest ein Teil dieser Phase heute noch ziemlich gut nachvollziehen.
Meine Mutter reagierte damals teilweise sehr deutlich auf das, was sie von mir mitbekam.
Und hier muss ich aufpassen.
Meine Mutter ist nicht neutral. Mein Onkel auch nicht. Das sind Menschen aus meinem Umfeld. Die sehen mich fertig, hören meine Seite und stehen natürlich eher hinter mir.
Deshalb benutze ich deren Reaktionen nicht als Beweis dafür, dass Mona irgendeine psychologische Eigenschaft hatte oder dass meine Familie automatisch Recht hatte.
Interessant sind die Reaktionen trotzdem.
Sie entstanden damals.
Nicht ein Jahr später, nachdem ich alles sortiert, analysiert und mit Abstand betrachtet habe.
Sondern mittendrin.
1. August 2025: Wir machen einfach eine WG. Geniale Idee.
Anfang August schrieb ich Onkel Brummel, dass Mona als Freunde zusammenleben wollte.
Auf dem Papier klingt das sogar ziemlich erwachsen.
Die Beziehung funktioniert nicht. Aber wir mögen uns. Also leben wir eben freundschaftlich zusammen. Jeder macht sein Ding, jeder bekommt Freiraum und wir unterstützen uns trotzdem.
Alles gut.
Rückblickend ungefähr dieselbe Logik wie ein Schild mit der Aufschrift „Rauchen verboten“ in ein bereits brennendes Wohnzimmer zu hängen.
Die emotionale Dynamik war ja nicht weg.
Mona brauchte weiterhin Nähe und Sicherheit. Ich fühlte mich weiterhin verantwortlich. Gleichzeitig wollte ich immer mehr Abstand.
Wir hatten die Beziehung beendet.
Nur hatte unser Alltag davon noch nichts mitbekommen.
14. August 2025: Zocke zur Zeit
Am 14. August schrieb ich um 21 Uhr an Onkel Brummel:
Später am selben Abend lief wieder eine längere Diskussion. Onkel Brummel kommentierte irgendwann:
Kann ich daraus beweisen, dass Mona absichtlich Streit angefangen hat, weil ich gerade gespielt habe?
Nein.
Und genau da möchte ich mit der Aufarbeitung sauber bleiben.
Nur weil zwei Dinge zeitlich zusammenpassen, heißt das noch lange nicht, dass das eine absichtlich wegen des anderen passiert ist.
Vielleicht war vorher schon irgendwas. Vielleicht war mein Zocken auch einfach nur der Moment, an dem das nächste Thema hochkam.
Wenn dasselbe Grundmotiv allerdings im April, Mai, August, September, Oktober und später wieder auftaucht, wird irgendwann nicht mehr nur der einzelne Abend interessant.
Dann wird die Serie interessant.
9. September 2025: Kann ich bei dir pennen?
Am 9. September schrieb ich spätabends an Onkel Brummel:
Am nächsten Morgen:
Das sind so kleine Sätze, bei denen ich heute länger hängen bleibe als bei mancher großen Streitbeschreibung.
Ich fing offenbar an, mir Ausweichmöglichkeiten zu organisieren.
Nicht für Urlaub.
Nicht für irgendeine Party.
Einfach einen Ort, an den ich notfalls konnte.
10. September 2025: Wie viel Freiraum willst du denn noch?
Aus dieser Phase habe ich mehrere Mitschriften und Gesprächsnotizen. Nicht jede Formulierung lässt sich heute noch zweifelsfrei Wort für Wort rekonstruieren.
Deshalb verwende ich hier nur Aussagen und Zusammenhänge, die in meinen Unterlagen ausreichend klar sind.
Mona beschreibt, dass sie sich alleine fühlt und ihre Bedürfnisse nicht gesehen werden.
Ich versuche dagegen, ein konkretes Problem sachlich zu lösen. Ich erkläre, dass ich bei dieser Sache einfach nicht der richtige Ansprechpartner bin und schlage Onkel Brummel vor.
Für mich heißt das:
Ich kann dir bei diesem konkreten Problem nicht vernünftig helfen.
Bei Mona scheint aber etwas komplett anderes anzukommen.
Wenn zwei Ebenen komplett aneinander vorbeireden
Und genau da liegt ein riesiges Problem zwischen uns.
Ich rede über Zuständigkeit.
Mona redet über Beziehung.
Ich sage: Ich kann dieses Problem nicht lösen.
Bei ihr kommt offenbar an: Du willst mich nicht auffangen.
Perfekte Grundlage für eine Diskussion ohne natürlichen Endpunkt.
Denn ich kann meine sachliche Antwort hundertmal erklären. Wenn das eigentliche Problem das Gefühl dahinter ist, ändert meine Erklärung an diesem Gefühl exakt gar nichts.
Dann kommt noch dazu, dass Mona daran erinnert, wie oft sie für mich da gewesen sei und was sie alles getan habe.
Auch daran ist erstmal nichts falsch.
Nur kam es bei mir irgendwann anders an.
Und ich benutze damals selbst bereits einen ziemlich harten Begriff dafür.
Emotionale Erpressung.
Das heißt nicht, dass damit objektiv bewiesen wäre, dass Monas Verhalten tatsächlich emotionale Erpressung war.
Es heißt erstmal nur:
So hat sich der Druck für mich damals angefühlt.
Die KI hat mir dieses Gefühl also nicht ein Jahr später eingeredet.
Es stand schon damals in meinen Unterlagen.
Das eigentliche Problem: Eine Antwort war keine Antwort
Hier wurde die spätere KI Auswertung für mich wirklich interessant.
Ich habe nicht gefragt:
Wer hat Recht?
Ich wollte wissen:
Was passiert eigentlich nach einer Antwort?
Und da zeigt sich ein Muster.
Mona formuliert ein Gefühl oder einen Vorwurf. Ich antworte. Meine Antwort ändert an ihrem Gefühl nichts. Also kommt derselbe Punkt nochmal. Nur etwas anders formuliert.
Ich antworte wieder.
Dann kommt ein Beispiel.
Ich erkläre das Beispiel.
Dann wird aus diesem einen Beispiel plötzlich eine Aussage über die gesamte Beziehung.
Ich widerspreche.
Dann geht es darum, dass ich mich nur rechtfertige.
Irgendwann möchte ich das Gespräch beenden.
Und mein Wunsch, das Gespräch zu beenden, wird wiederum als Rückzug wahrgenommen.
Damit bestätigt meine Reaktion für Mona möglicherweise genau das Problem, mit dem das Gespräch angefangen hat.
Der Kreislauf dahinter
Sie fühlt sich alleine. Ich brauche Ruhe. Meine Ruhe fühlt sich für sie wie Ablehnung an. Also sucht sie mehr Nähe. Dadurch fühle ich mich bedrängt und gehe noch weiter auf Abstand. Dieser Abstand macht sie wiederum noch unsicherer.
Und dann fahren wir dieselbe Runde nochmal.
A. Eifersucht. B. Diskussion. C. Schuldgefühle. D. Freiraum. E. Nur noch eine Sache. Repeat.
Mein ganz persönliches Flussdiagramm aus der Hölle.
25. September 2025: Die Tasche
Der 25. September ist einer der Tage, an denen mein damaliger Zustand ziemlich unverfälscht sichtbar wird.
„Jetzt ist sie sauer, weil ich lieber mit anderen Leuten PC spiele.“
Aber ich schrieb an diesem Tag auch etwas, das genauso in diesen Text gehört:
Dieser Satz ist mir wichtig.
Mona war eben nicht nur Konflikt.
Sie konnte sehr nett sein. Fürsorglich. Hilfsbereit. Liebevoll. Lustig.
Ich mochte sie.
Sonst wäre ich nicht so lange geblieben und hätte nicht immer wieder versucht, das Ganze irgendwie zu retten oder wenigstens halbwegs vernünftig zu beenden.
Nur wenige Minuten später schrieb ich allerdings:
„Ich kann nicht mehr!“
„Bin nie alleine.“
Diese drei Nachrichten treffen mich heute deutlich mehr als irgendeine dramatische Zusammenfassung.
Ich wollte gar keine große Freiheit. Keine wilde Party. Keine neue Frau. Kein Abenteuer.
Ich wollte irgendwann einfach alleine sein.
Keine Frage beantworten. Keine Stimmung interpretieren. Kein Problem lösen. Nichts analysieren.
Ruhe.
Und gleichzeitig schrieb ich:
Auch das ist wahr.
Ich wurde irgendwann unangenehm. Sarkastisch. Kalt. Abweisend.
Ich habe Gespräche hart beendet, bin weggefahren und habe in Konflikten Dinge gesagt, die heute definitiv keinen Preis für besonders gelungene Paarkommunikation bekommen würden.
Das gehört genauso in meine Geschichte.
18. Oktober 2025: Willkommen bei der Frauenversammlung
Der 18. Oktober hat rückblickend fast schon fertige Hörspielqualität.
Samstagabend.
Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt.
Und trotzdem entwickelte sich wieder eine längere Diskussion über Frauen in meinem Umfeld.
Eine Person wird angesprochen. Ich erkläre, woher ich sie kenne. Dann erkläre ich den Kontakt. Dann den Hintergrund. Dann, dass da nichts läuft.
Eigentlich könnte man jetzt sagen:
Okay.
Fertig.
Nicht bei uns.
Dann kommen weitere Frauen.
Berta Brandmelder.
Kathy Katjes.
Lina Leuchte.
Und irgendwann wird aus einer konkreten Person die allgemeine Frage, warum eigentlich immer mehr Frauen in meinem Leben auftauchen.
Das klingt banal.
War für mich aber genau der Punkt.
Meine Leute warteten. Ich wollte zurück. Ich wollte meinen Abend.
Die Diskussion lief weiter.
Irgendwann war mein Zustand ziemlich simpel:
Das beschreibt meinen Zustand ziemlich gut.
Ich war nicht geheimnisvoll. Nicht frisch verliebt. Nicht auf irgendeiner Frauenjagd.
Ich war einfach leer.
Und trotzdem diskutierten wir nach einer bereits ausgesprochenen Trennung noch darüber, mit welchen Frauen ich Kontakt hatte.
Oktober 2025: Wir sind eine WG
Irgendwann fällt von mir ein Satz, den ich zu diesem Zeitpunkt offenbar dringend brauchte:
Hart?
Ja.
Aber irgendwann musste die Trennung irgendeine praktische Bedeutung bekommen.
Wenn ich offiziell Single bin, aber weiterhin erklären muss, mit welcher Frau ich Kontakt habe, woher ich sie kenne, warum ich mit ihr schreibe und ob daraus vielleicht irgendwann etwas entstehen könnte, dann bin ich nur auf dem Papier getrennt.
Emotional läuft dieselbe Beziehung einfach weiter.
Nur ohne die schönen Teile.
20. Oktober 2025: Ich bin selber durch
Am Morgen des 20. Oktober schrieb ich meiner Mutter, dass viel geweint worden sei und Mona versucht habe, mich wieder ins Schlafzimmer zu bekommen.
Aus meinen damaligen Unterlagen wird gleichzeitig ziemlich deutlich, wie ich mich selbst zu diesem Zeitpunkt gesehen habe.
Gleichzeitig argumentierte ich sinngemäß, dass Mona nach der Trennung gar nicht mehr bei mir wohnen würde, wenn sie mir tatsächlich komplett egal wäre.
Und genau darin steckt mein eigener Widerspruch.
Ich kann nicht mehr.
Ich möchte Abstand.
Aber ich kümmere mich trotzdem weiter.
Ich wollte nicht mehr ihr Partner sein. Ich blieb aber Ansprechpartner, Problemlöser, Mitbewohner, Fahrer, technischer Support und emotionaler Notnagel.
Und dann wunderte ich mich, dass die Trennung emotional nicht sauber funktionierte.
Ja, Montie.
Kann man machen.
Muss man aber nicht.
Der Schreibtischkrieg
Später wurde sogar die Frage, wo mein Schreibtisch und Rechner stehen, zu einem Beziehungsthema.
Für mich bedeutete ein anderer Raum:
Ruhe. Eigener Bereich. Tür zu.
Für Mona bedeutete dieselbe Veränderung offenbar noch mehr Distanz.
Und wenn ich ihre Seite heute nüchterner betrachte, verstehe ich sogar warum.
Ich war für sie offenbar ein großes Stück Normalität, Alltag und Sicherheit.
Wenn ich meinen Rechner in einen anderen Raum stelle, stelle ich aus meiner Sicht Möbel um.
Für sie verschwindet möglicherweise ein Stück gemeinsamer Alltag.
Das macht ihre Reaktion nachvollziehbarer.
Aber es macht meinen Wunsch nach einem eigenen Raum nicht falsch.
Was mir half, tat ihr weh. Was ihr half, machte mich fertig.
Da waren wir festgefahren.
Mein eigener Anteil: Grenzen setzen und selber wieder einreißen
Jetzt kommt der Teil, den man in einer klassischen Abrechnung natürlich bequem weglassen könnte.
Ich habe dieses System mitgebaut.
Nicht im Sinne davon, dass ich für Monas Verhalten verantwortlich war.
Aber für mein eigenes war ich verantwortlich.
Und meine Grenzen waren teilweise ungefähr so stabil wie ein Gartenzaun aus gekochten Spaghetti.
Ich sagte, wir seien getrennt und verbrachte trotzdem wieder gemeinsame Abende mit ihr. Ich sagte, ich brauche Abstand und war trotzdem sofort wieder da, wenn es ihr schlecht ging. Ich sagte, sie müsse eigenständiger werden und regelte anschließend wieder irgendeinen Kram für sie.
Ich wollte keine Partnerrolle mehr.
Aber die Verantwortung wollte ich auch nicht vollständig loslassen.
Das war mein Fehler.
Und jetzt Red Team gegen mich selbst
Wenn ich schon KI benutze, um die ganze Sache auseinanderzunehmen, wäre es ziemlich billig, sie nur auf Mona loszulassen.
Also habe ich sinngemäß auch gefragt:
Okay. Und jetzt zerleg meine Version. Wo mache ich es mir zu einfach?
Wenn ich meine eigene Geschichte gegen mich selbst lese, gibt es ein paar unangenehme Punkte.
Ich habe sehr lange behauptet, Abstand zu brauchen, gleichzeitig aber weiter geholfen, Nähe zugelassen und Verantwortung übernommen. Damit habe ich selbst Signale gesendet, die nicht zu meiner ausgesprochenen Trennung gepasst haben.
Ich habe außerdem viel erklärt und diskutiert, obwohl ich längst keine Kraft mehr dafür hatte. Dadurch habe ich Gespräche mit am Leben gehalten, von denen ich gleichzeitig sagte, dass sie mich fertig machen.
Später wurde ich kalt, sarkastisch und teilweise hart. Dass ich erschöpft war, erklärt das. Es macht daraus aber nicht automatisch gutes Verhalten.
Und vielleicht habe ich mir an manchen Stellen auch zu lange eingeredet, dass ich nur helfe, obwohl ich damit gleichzeitig eine Verantwortung aufrechterhalten habe, aus der ich eigentlich längst raus wollte.
Autsch.
Aber genau deshalb habe ich die KI nicht nur auf Mona losgelassen.
Und wahrscheinlich war genau dieses Hin und Her für Mona ebenfalls maximal verwirrend.
Und meine eigene Logik war ungefähr:
Zwei komplett unterschiedliche Übersetzungen derselben Handlung.
November 2025: Eine Grenze ist offenbar nur eine freundliche Empfehlung
Auch nach der Trennung schaffte ich es ziemlich zuverlässig, meine eigenen Grenzen wieder aufzuweichen.
Im November schlief Mona wegen starker Rückenschmerzen wieder in meinem Bett.
Ich wusste selbst, dass das überhaupt nicht zu der gleichzeitig von mir geforderten Distanz passte.
Onkel Brummel kommentierte sinngemäß, dass daraus besser keine Dauerlösung werden sollte.
Recht hatte er.
Ich sagte Trennung und lebte teilweise weiterhin eine Fürsorge, die ziemlich nach Partnerschaft aussehen konnte.
Das ist mein Anteil an diesem emotionalen Niemandsland.
11. und 13. Dezember 2025: Die Platte hat einen Sprung
Selbst im Dezember war das Muster nicht komplett verschwunden.
Am 11. Dezember schrieb ich meiner Mutter:
„Konnte direkt ein langen Monolog hören. Freundlich aber Monolog 😁“
Und genau diese zweite Nachricht finde ich heute interessant.
Freundlich.
Aber Monolog.
Es musste nicht immer laut werden. Nicht jeder Konflikt bestand aus Geschrei.
Man kann einen Menschen auch sehr freundlich komplett mürbe reden.
Zwei Tage später schrieb ich während eines weiteren Redeflusses:
„Ich habe nicht ein Wort gesagt bisher.“
Meine Mutter antwortete:
Wissenschaftlich eher überschaubar.
Als Zusammenfassung meiner damaligen Wahrnehmung ziemlich brillant.
Neue Situation, altes Thema. Neue Frau, altes Thema. Neuer Abend, altes Thema. Neue Grenze, altes Thema.
Irgendwann dachte ich nicht mehr:
Ich verstehe dich nicht.
Ich dachte:
Ich habe es längst verstanden. Ich kann es nur nicht lösen.
Mein größter Denkfehler: Gefühle debuggen
Ich habe Beziehungsprobleme viel zu lange behandelt wie Serverprobleme.
Fehler tritt auf. Logs ansehen. Ursache finden. Fix bauen. Ticket schließen.
Funktioniert bei Windows Servern deutlich besser als bei Menschen.
Wenn Mona sagte, dass sie sich alleine fühlt, sprang bei mir irgendwann automatisch die Faktenmaschine an.
Aber wir haben doch gestern zusammen gegessen. Ich habe dich gefahren. Wir haben zusammen Fernsehen geschaut. Ich habe mich um Problem X gekümmert und Problem Y organisiert.
Ich war doch da.
Für mich waren das Gegenbeweise.
Für Mona waren es wahrscheinlich Antworten auf eine Frage, die sie nie gestellt hatte.
Das eigentliche Thema war eher:
Kann man schlecht mit Excel widerlegen.
Also erklärte ich noch mehr.
Und noch mehr.
Und genau dadurch verlängerte ich die Gespräche, von denen ich gleichzeitig wollte, dass sie endlich aufhören.
Das war mein Anteil.
Immer. Nie. Alles. Komplett.
Was mir beim erneuten Lesen ebenfalls auffällt, sind diese absoluten Wörter.
Immer.
Nie.
Alles.
Komplett.
Solche Wörter machen einen Konflikt sehr schnell komplett unbrauchbar.
„Gestern habe ich mich alleine gefühlt“ ist konkret.
„Du lässt mich immer komplett alleine“ ist plötzlich eine Anklageschrift über die gesamte Beziehung.
Und natürlich springt bei mir dann der innere Anwalt an.
Beweisstück A: gemeinsames Abendessen am Dienstag.
Beweisstück B: Fahrt zum Termin.
Beweisstück C: irgendeine Sache, die ich letzte Woche geregelt habe.
Montie gegen den Generalvorwurf.
Verhandlungstag 438.
Mona sitzt wahrscheinlich auf der anderen Seite und denkt:
Der versteht überhaupt nicht, worum es mir geht.
Perfekt.
Wir reden beide.
Keiner fühlt sich verstanden.
Hat sie mir absichtlich meine Abende kaputtgemacht?
Das wäre natürlich die schöne einfache Erklärung.
Freitagabend. Montie möchte zocken. Mona denkt sich: Dem versaue ich jetzt den Abend.
Kann ich nicht belegen.
Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es so simpel war.
Muster bedeutet noch lange nicht Absicht
Was ich dokumentieren kann, ist ein wiederkehrender Zusammenhang.
Im April gibt es Streit im Zusammenhang mit meinem Spaß am PC und später Eifersucht. Im Mai dokumentiere ich Ärger am Freitag und Samstag, weil ich am PC Spaß hatte und mit anderen Menschen lachte. Im August läuft an einem Abend, an dem ich gerade zocke, wieder eine längere Diskussion. Im September schreibe ich ausdrücklich, Mona sei sauer, weil ich lieber mit anderen Leuten PC spiele. Im Oktober läuft eine Eifersuchtsdiskussion, während ich zurück zu meinen Leuten möchte. Im Dezember spiele ich mit Gisela Gegenwind und dokumentiere direkt wieder einen längeren Monolog.
Das ist ein Muster.
Aber ein Muster beweist keine Absicht.
Vielleicht war es Unsicherheit. Vielleicht Verlustangst. Vielleicht war mein Spaß mit anderen für Mona ein ziemlich brutaler Vergleich zu unserem eigenen Alltag.
Vielleicht kam das Gefühl genau in diesen Momenten hoch, weil meine Aufmerksamkeit sichtbar nicht bei ihr lag.
Das halte ich heute sogar für ziemlich plausibel.
Nur ändert das nichts an der Wirkung auf mich.
Eigene Freizeit wurde irgendwann mit möglichem Stress gekoppelt.
Und damit war die Freude teilweise schon kaputt, bevor überhaupt etwas passiert war.
Irgendwann wurde ich selbst scheiße
Auch das gehört hier rein.
Wenn man einzelne Sätze von mir aus dieser Zeit herausnimmt, kann man daraus einen ziemlich unsympathischen Montie bauen.
Und das wäre nicht einmal komplett erfunden.
Ich wurde irgendwann kalt. Sarkastisch. Abweisend.
Ich wollte Gespräche einfach beenden. Bin weggefahren. Habe Dinge gesagt, auf die ich heute nicht stolz bin. Gegenüber meiner Familie habe ich teilweise richtig derb über Mona gesprochen.
Das ist passiert.
Und Erschöpfung macht es nicht automatisch richtig.
Aber es zeigt mir heute etwas anderes.
Ich hätte viel früher Grenzen setzen müssen.
Nicht erst dann, wenn ich sie nur noch mit dem Vorschlaghammer setzen konnte.
Frühe Grenzen wirken manchmal hart. Späte Grenzen werden irgendwann hässlich.
Warum ich KI dafür benutzt habe
Ja.
Ich habe meine alte Beziehung teilweise mit KI ausgewertet.
2026 halt.
Aber ausdrücklich nicht nach dem Prinzip:
Das wäre komplett wertlos gewesen.
Ich habe über Monate alte Nachrichten, Mitschriften, Gesprächsnotizen, Zeitangaben und andere Unterlagen zusammengesucht und erstmal versucht, eine halbwegs brauchbare Chronologie daraus zu bauen.
Dann habe ich die KI nicht gefragt, wer der Gute und wer der Böse war.
Ich habe nach Mustern gesucht.
Welche Themen kommen immer wieder? Was passiert nach einer Antwort? Wann kippen Gespräche? Wann versuche ich auszusteigen? Wann werde ich selbst unfair? Wo passt meine heutige Erinnerung zu dem, was ich damals geschrieben habe? Wo passt sie nicht? Welche andere Erklärung könnte es für Monas Verhalten geben? Was kann ich tatsächlich belegen und was ist einfach meine Interpretation?
Und genauso wichtig:
Was kann ich nicht wissen?
Denn eine KI kennt Monas Gedanken genauso wenig wie ich.
Sie kann Material vergleichen. Wiederholungen finden. Widersprüche sichtbar machen.
Aber sie kann nicht nachträglich in einen Menschen hineinsehen.
Und sie kann auch meine eigene Geschichte gegen mich lesen.
Genau deshalb wollte ich keine Abrechnung.
Ich wollte verstehen.
Was ich heute glaube
Ich glaube inzwischen, dass unser Grundproblem eigentlich ziemlich einfach war.
Mona brauchte Sicherheit.
Ich brauchte Autonomie.
Wenn Mona sich unsicher fühlte, suchte sie Nähe. Wenn sie mehr Nähe suchte, fühlte ich mich irgendwann eingeengt. Wenn ich mich eingeengt fühlte, zog ich mich zurück. Mein Rückzug machte Mona wiederum unsicherer. Also suchte sie noch mehr Nähe.
Und so baut man sich einen hervorragend funktionierenden Kreislauf, wenn das Ziel darin besteht, zwei Menschen gleichzeitig fertigzumachen.
Dafür muss keiner ein Monster sein.
Dafür reicht es völlig, wenn zwei Bedürfnisse sich gegenseitig zuverlässig triggern.
Für Mona war Reden vermutlich der Versuch, wieder Sicherheit herzustellen.
Für mich wurde genau dieses Reden irgendwann zur Belastung.
Sie wollte reden, bis sie sich besser fühlte.
Ich wollte aufhören zu reden, damit ich mich besser fühlte.
Kann man machen.
Führt nur eher selten zu einem gemütlichen Freitagabend.
Heute ist es teilweise lustig
Mit Abstand sind manche Situationen wirklich absurd.
Nicht die Verletzung. Nicht die Angst. Nicht die Erschöpfung.
Aber die Struktur.
20:17 Uhr: Montie sitzt am Rechner. Discord offen. Die Leute warten.
20:41 Uhr: Wir reden über gemeinsame Zeit.
21:13 Uhr: Gisela Gegenwind wurde in das Verfahren aufgenommen.
22:04 Uhr: Berta Brandmelder befindet sich ebenfalls auf der Zeugenliste.
23:11 Uhr: Wilma Windel wird zur Beweisaufnahme geladen.
00:26 Uhr:
Mona Minenfeld: Ja. Aber nur noch eine Sache.
01:47 Uhr: Mutti Einsatzleitung hat geistig bereits Stabsalarm ausgelöst. Onkel Brummel schläft vermutlich längst.
MONTIE, VERMUTLICH
Ja. Gleich.
Heute kann ich darüber lachen.
Damals war mein Abend weg.
Warum ich das schreibe
Nicht, um Mona Minenfeld fertigzumachen.
Wenn ich das wollte, wäre dieser Artikel deutlich einfacher.
Dann wäre sie der Bösewicht und ich das arme Opfer. Keine eigenen Fehler. Keine Zweifel. Keine alternativen Erklärungen. Kein Red Team gegen mich selbst. Kein Satz darüber, dass sie zu großen Teilen wirklich nett und fürsorglich sein konnte.
Das wäre eine schöne Geschichte.
Nur eben nicht meine.
Ich wollte verstehen, wie ich von einer Beziehung, in der ich Nähe wollte, irgendwann an den Punkt gekommen bin, an dem ich eine gepackte Tasche bei meinen Eltern hatte und eigentlich nur noch alleine sein wollte.
Deshalb habe ich monatelang alte Nachrichten, Mitschriften, Gesprächsnotizen, Zeitangaben und andere Unterlagen zusammengesucht.
Deshalb habe ich das alles sortiert.
Deshalb habe ich mit KI nicht nur nach Monas Mustern gesucht, sondern auch nach meinen eigenen.
Und deshalb schreibe ich heute dazu, wenn etwas nur meine Erinnerung, meine damalige Wahrnehmung oder meine heutige Interpretation ist.
Ich weiß nicht, was Mona in jeder einzelnen Situation gedacht hat.
Ich weiß aber inzwischen ziemlich gut, was diese Dynamik mit mir gemacht hat.
Im April schrieb ich, dass mir alles zu viel wird. Im Mai schrieb ich, dass Schatzi nicht mehr atmen kann. Im September hatte ich eine gepackte Tasche und schrieb, dass ich nicht mehr kann und nie alleine bin. Im Oktober war ich nach meiner eigenen Beschreibung einfach durch.
Das ist für mich die eigentliche Geschichte.
Nicht der eine große Knall.
Viele kleine.
Immer wieder.
Bis irgendwann nichts mehr übrig war.
Nur noch eine Sache
Was ich aus all dem mitnehme?
Ich muss heute nicht mehr so lange erklären, bis ein anderer Mensch mit meiner Grenze einverstanden ist.
Und genauso wichtig:
Wenn ich eine Grenze setze, muss ich sie selbst ernst nehmen.
Es bringt nichts, Abstand zu verlangen und anschließend wieder genau die Rolle zu übernehmen, aus der ich eigentlich raus möchte.
Das hätte ich damals früher lernen müssen.
Für Mona.
Und vor allem für mich.
Denn manchmal ist „nur noch eine Sache“ eben nicht nur noch eine Sache.
Manchmal ist es einfach die nächste Runde auf derselben Rille.
A. B. C. Repeat.
Und irgendwann darf man das verdammte Flussdiagramm auch einfach verlassen.
Heute nicht mehr.
