Oder: KI für Anfänger und wie man von „Wie haue ich einen Nagel in die Wand?“ irgendwann bei einem selbstgebauten Fluxkompensator landet.
Vorweg: Das hier wird kein Prompt-Engineering-Kurs. Es ist mein Guide rund um KI für Anfänger, die den ganzen Kram einfach ausprobieren wollen, ohne vorher Prompt Engineering studieren zu müssen.
Keine 47 geheimen Befehle. Keine „ultimative Masterprompt-Formel“. Und Ihr müsst auch nicht erst verstehen, wie Transformer, neuronale Netze oder Large Language Models technisch funktionieren, bevor Ihr ChatGPT benutzen dürft.
Ich benutze KI inzwischen für ziemlich viel. Technik. Recherche. Texte. Dokumente. Fehlersuche. Bilder. Automatisierungen. Planung. Lernen. Und natürlich für diese Situationen, in denen ich vor irgendetwas sitze und denke:
Keine Ahnung. Frag ich halt die KI.
Darum geht es hier. Nicht darum, wie man künstliche Intelligenz wissenschaftlich erklärt, sondern wie man den Kram im echten Leben tatsächlich benutzt.
BEISPIEL
So könnte eine konkrete Anfrage an die KI aussehen.
MONTIE MACHT DAS SO
Meine persönliche Arbeitsweise. Nicht die einzig richtige, aber die, mit der ich inzwischen ziemlich viel mache.
MERKSATZ
Wenn Ihr aus einem Abschnitt nur eine Sache mitnehmen wollt, dann die.
VORSICHT
Hier sollte man die KI nicht einfach machen lassen und anschließend blind glauben, was herauskommt.
Wie das bei mir eigentlich anfing
Ich bin von Natur aus neugierig.
Manchmal wahrscheinlich ein bisschen zu neugierig.
Wenn irgendwo etwas nicht funktioniert, will ich wissen, warum. Wenn ich etwas nicht verstehe, fange ich an zu lesen. Und wenn mir jemand sagt „das geht nicht“, ist mein erster Gedanke meistens nicht „okay“.
Mein erster Gedanke ist eher: Warum eigentlich nicht?
Das war bei Computern so. Bei Netzwerken. Bei Servern. Bei irgendwelchen technischen Konstruktionen, bei denen normale Menschen vermutlich einfach die Anleitung gelesen hätten.
Und irgendwann eben auch bei künstlicher Intelligenz.
Am Anfang war ChatGPT für mich ehrlich gesagt auch erstmal:
Also habe ich gefragt.
Dinge erklären lassen. Texte ausprobiert. Technische Fragen gestellt. Fehlermeldungen reingeworfen.
Und ziemlich schnell gemerkt:
Das Interessante ist gar nicht die einzelne Antwort.
Das Interessante passiert danach.
Wenn ich sage:
Das ergibt keinen Sinn.
Hier ist noch ein Screenshot.
Moment. Ich glaube, das eigentliche Problem ist ein ganz anderes.
Und plötzlich wird aus einer simplen Frage ein Gespräch.
Aus dem Gespräch wird Fehlersuche.
Aus der Fehlersuche wird ein Projekt.
Und irgendwann sitze ich da, habe acht Screenshots, drei PDFs, irgendeine Webseite und einen halbfertigen Gedanken offen und sage sinngemäß:
Das ist inzwischen ziemlich genau die Art, wie ich KI benutze.
Nicht als Orakel.
Nicht als allwissende Maschine.
Und schon gar nicht als Ersatz für den eigenen Kopf.
Sondern als Werkzeug.
Als Sparringspartner.
Und teilweise tatsächlich als zusätzliche Arbeitsoberfläche für meinen Kopf.
Vom Nagel in der Wand
Fangen wir ganz unten an.
Ihr wollt ein Bild aufhängen.
Kann man natürlich einfach machen.
Nagel.
Hammer.
Wand.
Bämm.
Problem gelöst.
Bis Ihr merkt, dass Eure Wand aus Beton besteht, der Nagel krumm ist, der Putz abplatzt und Ihr inzwischen ein Loch produziert habt, in dem vermutlich ein Hamster wohnen könnte.
Also fragt Ihr die KI.
Das reicht bereits.
Das ist ein Prompt.
Herzlichen Glückwunsch.
Prompt Engineering Level 1 erfolgreich abgeschlossen.
Die KI wird vermutlich unterscheiden, was für eine Wand Ihr habt, wie schwer das Bild ist und womit Ihr es befestigen wollt.
Dann könnt Ihr einfach nachlegen.
Oder noch einfacher:
Foto machen.
Fertig.
Keine magische Formel.
Kein Harvard-Abschluss.
Ihr habt einfach erklärt, was Ihr vorhabt.
Relevant.
Nicht möglichst viel.
Gerade bei KI für Anfänger halte ich das für wichtiger als irgendeinen angeblich perfekten Superprompt.
Mein erster Prompt ist oft ziemlich mies
Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte meiner eigenen Methodik.
Ich versuche häufig überhaupt nicht, am Anfang den perfekten Prompt zu schreiben.
Teilweise schreibe ich wirklich nur:
Was ist denn da kaputt?
Ist das sinnvoll?
Hä?
Ja.
Auch „Hä?“ kommt vor.
Natürlich könnte ich vorher einen wunderschön strukturierten Prompt mit Ziel, Kontext, Rollenbeschreibung, Ausgabeformat und sieben Sonderbedingungen schreiben.
Mache ich aber oft nicht.
Denn ich möchte erstmal sehen:
Was macht die KI aus meinem Problem?
Die erste Antwort zeigt mir nämlich häufig, welche Information noch fehlt.
Und dann geht es weiter.
Das ist für mich viel natürlicher, als zehn Minuten lang einen Superprompt zu konstruieren, der möglichst jede Eventualität der nächsten drei Stunden vorhersieht.
KI ist kein Google mit mehr Text
Das ist für Einsteiger wahrscheinlich einer der wichtigsten Unterschiede.
Bei einer Suchmaschine frage ich etwas und bekomme Webseiten.
Bei einer KI kann ich mit dem Ergebnis weiterarbeiten.
Nehmen wir etwas völlig Banales.
Die KI gibt Euch einen Vorschlag.
Dann:
„Ich mag keine scharfen Sachen.“
„Ich will möglichst wenig Abwasch.“
Und schon wird aus irgendeinem allgemeinen Rezept langsam Euer Rezept.
Genau so benutze ich KI.
Nicht:
Frage rein.
Antwort raus.
Ende.
Problem rein. Antwort. Rückfrage. Änderung. Verbesserung. Weiter.
Eine zusätzliche Arbeitsoberfläche für meinen Kopf
Das beschreibt meine Nutzung wahrscheinlich besser als „Chatbot“.
Ich habe eine Idee.
Oder eine halbe Idee.
Oder drei Ideen, die sich gegenseitig widersprechen.
Dazu zwei Screenshots.
Ein PDF.
Eine E-Mail.
Irgendwelche Notizen.
Vielleicht noch eine Webseite.
Und irgendwo in diesem Haufen steckt das eigentliche Problem.
Dann kommt sinngemäß:
Und genau dabei ist KI für mich extrem nützlich.
Ich muss mein Chaos nicht zwangsläufig zuerst selbst perfekt strukturieren.
Die Strukturierung kann bereits Teil der Aufgabe sein.
Früher musste ich häufig erst herausfinden:
Wie sortiere ich das?
Was gehört zusammen?
Wo fange ich an?
Heute kann meine erste Frage schlicht sein:
Das ist kein schlechter Prompt.
Das kann sogar der richtige sein.
Ihr müsst Eure eigentliche Frage noch gar nicht kennen
Das klingt erstmal merkwürdig.
Aber manchmal weiß ich am Anfang selbst noch nicht genau, worauf ich eigentlich hinauswill.
Das entwickelt sich im Gespräch.
Wie bei Menschen eben auch.
Eigentlich passiert es nur beim Kopieren großer Dateien.
Moment. Die Quelle ist immer dasselbe NAS.
Es betrifft nur Laufwerk Z:.
Lass uns erstmal prüfen, ob das überhaupt ein Windows-Problem ist.
Und plötzlich seid Ihr von:
„PC komisch“
bei einer ziemlich konkreten Fehlersuche angekommen.
Der erste Prompt muss nicht das komplette Problem enthalten.
Er muss manchmal nur dafür sorgen, dass man überhaupt anfängt.
KI für Anfänger: Kontext schlägt Prompt-Zauberei
Im Internet findet man diese wunderschönen Prompt-Konstruktionen.
40 Zeilen.
Rolle.
Zielgruppe.
Aufgabe.
Kontext.
Constraints.
Ausgabeformat.
Beispiele.
Verbote.
Qualitätssicherung.
Temperatur vermutlich abhängig von Mondphase und Aszendent.
Kann man machen.
Manchmal ist das sogar sinnvoll.
Aber wenn Ihr gerade erst mit KI anfangt, vergesst diesen Wahnsinn erstmal.
Ich verstehe Punkt drei nicht.
Gib mir ein Beispiel.
Mach das kürzer.
Erklär mir das so, als hätte ich davon überhaupt keine Ahnung.
Das klingt für mich falsch. Prüfe das nochmal.
Das sind gute Prompts.
Eigentlich sogar verdammt gute.
Die KI darf wissen, was Ihr schon wisst
Wenn Ihr fragt:
muss die KI erstmal raten, wo Ihr fachlich steht.
Kompletter Anfänger?
Linux-Admin?
Entwickler?
VMware-Administrator?
Wenn Ihr stattdessen schreibt:
ist das sofort eine andere Ausgangslage.
Nicht weil der Prompt besonders kunstvoll wäre.
Sondern weil die KI weiß, wo sie Euch abholen soll.
Aber kippt nicht vorsorglich Euer komplettes Leben in jeden Prompt
Mehr Kontext ist nicht automatisch besser.
Wenn Ihr fragt, wie lange eine Tiefkühlpizza in den Ofen muss, braucht die KI nicht Eure komplette berufliche Laufbahn.
Kontext ist dann gut, wenn er relevant ist.
Eigentlich genau wie bei einem normalen Gespräch.
KI für Anfänger: Zeigen ist manchmal besser als zehn Absätze
Das finde ich im Alltag extrem praktisch.
Unbekanntes Gerät?
Foto.
Komisches Kabel?
Foto.
Waschmaschine zeigt irgendein Symbol?
Foto.
Eine Packung mit einer Anleitung, die Ihr nicht versteht?
Foto.
Pflanze sieht aus, als hätte sie sämtliche Hoffnung aufgegeben?
Foto.
Denn:
ist deutlich schlechter als ein Screenshot der tatsächlichen Fehlermeldung.
PDFs, Dokumente und Webseiten
Dasselbe gilt für Dokumente.
Wenn Ihr ein Schreiben habt:
Gebt der KI das Schreiben.
Wenn Ihr einen Vertrag habt:
Gebt ihr den Vertrag.
Wenn Ihr eine Stellenausschreibung analysieren wollt:
Gebt ihr die Stellenausschreibung.
Wenn Ihr wissen wollt, was auf einer Webseite steht:
Gebt den Link.
Zwischen:
und dem tatsächlichen Schreiben kann ein ziemlich großer Unterschied liegen.
Ich widerspreche der KI
Gerade bei KI für Anfänger ist mir dieser Punkt wichtig: Eine Antwort darf falsch sein, missverständlich sein oder komplett an Eurer eigentlichen Frage vorbeigehen.
Deshalb widerspreche ich der KI.
Ständig.
Nur weil ChatGPT einen wunderschönen Absatz geschrieben hat, heißt das nicht, dass der Absatz richtig ist.
Oder sinnvoll.
Oder überhaupt das beantwortet, was Ihr wissen wolltet.
Falsch.
Genau andersrum.
Viel zu ausführlich.
Das war nicht meine Frage.
Wo hast du das jetzt her?
Das ergibt keinen Sinn.
Nochmal.
Das ist kein Fehlverhalten.
Das ist Teil der Arbeit.
Ihr verletzt damit auch keine Gefühle.
Zumindest hoffe ich das.
Falls doch, stehe ich beim späteren Roboteraufstand vermutlich ziemlich weit oben auf irgendeiner Liste.
Eine KI-Antwort ist ein Arbeitsstand
Ich sehe eine Antwort selten automatisch als fertiges Produkt.
Sie ist erstmal:
Version 0.1
Dann schaue ich drauf.
Passt das?
Fehlt etwas?
Ist etwas falsch?
Ist es zu kompliziert?
Hat die KI irgendetwas angenommen, was gar nicht stimmt?
Kann man es besser machen?
Dann folgt Version 0.2.
Und weiter.
Testen.
Geht nicht.
Screenshot.
Fehler analysieren.
Ändern.
Wieder testen.
Jetzt geht A.
Dafür ist B kaputt.
Wieder ändern.
Willkommen in der IT.
Chaos rein, Struktur raus
Das dürfte einer meiner häufigsten KI-Einsätze sein.
Und genau hier wird KI für Anfänger meiner Meinung nach plötzlich richtig interessant, weil Ihr Euer Problem nicht erst perfekt vorsortieren müsst.
Ich habe Mails.
PDFs.
Notizen.
Screenshots.
Dokumente.
Webseiten.
Gedanken.
Halbfertige Ideen.
Und teilweise Informationen aus mehreren Monaten.
Dann sage ich sinngemäß:
Das kann heißen:
Welche Aussagen widersprechen sich?
Welche Fragen sind noch offen?
Vergleiche diese drei Angebote.
Fasse mir dieses Dokument verständlich zusammen.
Was haben wir eigentlich schon entschieden?
Das ist für mich eine der größten Stärken von KI.
Nicht unbedingt neues Wissen zu erzeugen.
Sondern vorhandene Informationen zu sortieren, verbinden, vergleichen und verständlich zu machen.
Wie weit ich damit inzwischen gehe, habe ich in „Nur noch eine Sache!“ ziemlich ausführlich gezeigt. Dort habe ich alte Nachrichten, Mitschriften und Unterlagen mit KI strukturiert und anschließend meine eigene Sicht bewusst gegenprüfen lassen.
Aus einer Frage wird ein Projekt
Jetzt verlassen wir langsam den Nagel.
Spätestens hier sind wir auch weit weg von dem Gedanken, dass KI für Anfänger nur bedeutet, sich ein Rezept oder einen Text schreiben zu lassen.
Okay.
Noch ziemlich allgemein.
Dann:
Ich möchte IP-Adressen, Geräte, MAC-Adressen, VLANs und Standorte dokumentieren.
Mach daraus eine vernünftige Struktur.
Ich brauche zusätzlich ein Netzwerkdiagramm.
Prüfe meine VLAN-Struktur.
Eigentlich will ich neue Geräte später immer nach demselben Schema aufnehmen können.
Jetzt baut Ihr nicht mehr nur eine Tabelle.
Ihr entwickelt ein kleines System.
Und genau dort verändert sich die Rolle der KI.
Sie beantwortet nicht mehr bloß eine Frage. Ihr bearbeitet gemeinsam ein Projekt.
Kontext über längere Projekte ist Gold wert
Bei längeren Projekten möchte ich nicht jedes Mal wieder komplett bei Adam und Eva anfangen.
Wenn schon zehn Entscheidungen getroffen wurden, möchte ich beim elften Schritt darauf aufbauen.
Nimm dieselbe Logik wie beim letzten Gerät.
Pack das mit auf unsere Optimierungsliste.
Vergleich das mit dem Schreiben von letzter Woche.
Was hatten wir damals als Namen festgelegt?
Damit wird KI für mich teilweise zu einer Art Projektgedächtnis plus Sparringspartner.
Das ist extrem praktisch.
Praktisch heißt nicht unfehlbar.
Bei wichtigen Details sollte man trotzdem die Originalquelle nehmen oder nochmal prüfen, ob die Erinnerung stimmt.
KI für Anfänger: Meine eigentliche Methode
Wenn ich meine Art, KI zu benutzen, auf einen Ablauf herunterbrechen müsste, würde der ungefähr so aussehen.
1. Ich fange einfach an
Problem schildern.
Screenshot rein.
Datei dazu.
Frage stellen.
Los.
Der erste Prompt muss nicht perfekt sein.
2. Ich schaue, was zurückkommt
Die erste Antwort zeigt mir, ob wir überhaupt in die richtige Richtung laufen.
Und manchmal merke ich erst durch diese Antwort:
Verdammt. Das entscheidende Detail habe ich gar nicht erwähnt.
Dann kommt es eben hinterher.
3. Ich gebe Kontext nach
Nicht vorsorglich 80 Bedingungen.
Sondern das, was für den nächsten Schritt relevant ist.
4. Ich korrigiere
Falsche Annahme?
Korrigieren.
Falsche Richtung?
Ändern.
Zu lang?
Kürzen.
Nicht mein Stil?
Nochmal.
5. Ich lasse mein Chaos strukturieren
Ich muss nicht alles vorher perfekt vorbereiten.
Die Strukturierung darf Teil der Aufgabe sein.
6. Ich arbeite iterativ
Entwurf.
Prüfen.
Ändern.
Testen.
Wiederholen.
7. Ich lasse wichtige Dinge überprüfen
Quellen.
Originaldokumente.
Gegenargumente.
Aktuelle Recherche.
Widersprüche.
8. Ich lasse die KI arbeiten
Aber ich lasse sie nicht automatisch entscheiden.
Das ist ein Unterschied.
Der wahrscheinlich wichtigste Punkt: KI erzählt Bullshit
Manchmal.
Und zwar teilweise beeindruckend überzeugend.
Die Antwort klingt sauber.
Sie ist hervorragend formuliert.
Sie enthält Fachbegriffe.
Alles sieht seriös aus.
Und trotzdem ist sie falsch.
Dafür gibt es den etwas freundlicheren Begriff:
Halluzination.
Ich persönlich finde:
Selbstbewusst erzählter Bullshit.
deutlich anschaulicher.
Das ist gerade bei KI für Anfänger gefährlich, weil eine gut formulierte Antwort schnell wesentlich sicherer wirkt, als sie tatsächlich ist.
Eine KI sagt nämlich nicht zwangsläufig:
Manchmal baut sie aus dem, was sie hat, einfach eine plausible Antwort.
Je wichtiger die Frage, desto weniger blindes Vertrauen.
„Wie lange müssen meine Kartoffeln ungefähr in den Ofen?“ ist eine andere Risikoklasse als medizinische, rechtliche, finanzielle oder sicherheitskritische Fragen.
Lasst die KI ihre eigene Antwort angreifen
Das mache ich bei komplizierteren Sachen ziemlich gerne.
Welche Annahmen hast du gemacht?
Welche Informationen fehlen dir für eine zuverlässige Einschätzung?
Suche nach Gegenargumenten.
Trenne gesicherte Fakten von Vermutungen.
Bist du dir da sicher?
Das ist keine magische Wahrheitsmaschine.
Eine falsche KI kann natürlich auch beim zweiten Durchlauf noch falsch liegen.
Aber ich zwinge sie damit wenigstens, die eigene Antwort nochmal auseinanderzunehmen.
Quellen, Leute. Quellen.
Wenn etwas aktuell sein muss, lasst aktuell recherchieren.
Deshalb gehört für mich auch bei KI für Anfänger von Anfang an dazu, zwischen einer schnellen Antwort und einer wirklich überprüften Information zu unterscheiden.
Bei dieser Frage möchte ich keine Preise von vor drei Jahren.
Also:
Dasselbe gilt bei Politik, Gesetzen, Softwareversionen, Produkten, Nachrichten, Preisen oder anderen Dingen, die sich verändern können.
Fragt:
Woher stammt diese Aussage?
Gibt es dafür eine Primärquelle?
Gibt es widersprechende Quellen?
Ihr würdet hoffentlich auch nicht irgendeinem fremden Menschen glauben, der Euch auf einem Parkplatz etwas erzählt.
Nur weil eine KI grammatikalisch schöner formuliert, sollte der Anspruch nicht niedriger sein.
Und wenn Ihr ChatGPT selbst ausprobieren wollt, findet Ihr es direkt bei ChatGPT. Externe Quellen gehören für mich dabei genauso zur Arbeit wie die eigentliche Unterhaltung mit der KI.
Original schlägt Zusammenfassung
Vertrag prüfen? Original hochladen.
Behördenschreiben verstehen? Original hochladen.
Fehlermeldung? Screenshot.
Software spinnt? Logdatei.
Nicht:
Sondern die tatsächliche Meldung.
Danach könnt Ihr immer noch sagen:
Jetzt wird gebaut
Und damit kommen wir in den Bereich, den ich persönlich besonders interessant finde.
KI kann nämlich nicht nur erklären.
Sie kann mit Euch Dinge entwickeln.
Schreib mir ein PowerShell-Skript, das Dateien nach meinem Schema umbenennt.
Entwickle mit mir eine Datenbankstruktur.
Ich brauche ein Excel-Modell für meine monatlichen Kosten.
Bau mir ein kleines Python-Programm, das Logdateien analysiert.
Hilf mir, eine Automation zu bauen.
Und wieder funktioniert meine Methode genauso.
Anfangen.
Testen.
Korrigieren.
Weiterbauen.
Und manchmal lasse ich KI sogar meinen Prompt bauen
Wenn eine Aufgabe wirklich kompliziert wird, muss ich diesen riesigen Prompt nämlich nicht unbedingt selbst am Anfang bauen.
Ich kann irgendwann sagen:
Dann benutze ich KI, um eine bessere Anweisung für KI zu bauen.
KI-Inception.
Willkommen im Kaninchenbau.
Und genau an diesem Punkt können diese riesigen, detaillierten Prompts tatsächlich sinnvoll werden.
Nur entstehen sie bei mir häufig aus der Arbeit heraus.
Ich muss sie nicht am Anfang aus dem Nichts erfinden.
Denk mit mir
KI wird häufig auf „Mach mir etwas“ reduziert.
Ich finde aber:
„Denk mit mir“ ist mindestens genauso interessant.
Was spricht gegen meine Lösung?
Welche Risiken hat Variante B?
Welche Annahme müsste falsch sein, damit meine Schlussfolgerung nicht mehr stimmt?
Welche Information würde unsere Entscheidung am stärksten verändern?
Stell mir die Fragen, die du brauchst, bevor wir weitermachen.
Das ist für mich echter Mehrwert.
Nicht nur:
Mach mal.
Sondern:
Denk mit mir.
Okay. Fluxkompensator.
Jetzt haben wir lange genug über vernünftige Dinge gesprochen.
Eine brauchbare KI sollte Euch irgendwann mitteilen, dass der Fluxkompensator aus Zurück in die Zukunft stammt und aktuell kein bekanntes technisches Verfahren existiert, mit dem Ihr bei 88 Meilen pro Stunde im Jahr 1955 landet.
Sehr bedauerlich.
Aber wir können die Aufgabe verändern.
Jetzt haben wir ein reales Projekt.
Dann:
Ich möchte LEDs benutzen.
Die Beleuchtung soll über einen Arduino gesteuert werden.
Drei Lichtarme sollen nacheinander aufleuchten.
Schreib mir dafür die Logik und den Code.
Die LEDs bleiben dauerhaft an. Hier ist mein Code. Wo liegt der Fehler?
Jetzt funktioniert es, aber die Animation ist zu schnell.
Ich möchte das Ganze noch per Schalter starten.
Und irgendwann habt Ihr tatsächlich einen Fluxkompensator.
Keine Zeitmaschine.
Aber immerhin.
Und daran sieht man ziemlich gut, was KI leisten kann.
Sie macht Science-Fiction nicht plötzlich real.
Aber sie kann eine völlig bekloppte Idee in einzelne lösbare Probleme zerlegen.
Und dann arbeitet Ihr die eben nacheinander ab.
Der Mensch bleibt Reviewer
Das ist für mich wahrscheinlich der wichtigste Teil meiner eigenen Methodik.
Ich lasse KI teilweise sehr viel machen.
Aber ich schaue drauf.
Ich korrigiere, hinterfrage und teste.
Quellen lasse ich ebenfalls prüfen.
Und am Ende entscheide ich.
Ich muss mit den Konsequenzen leben.
Die KI nicht.
Was ich einer KI nicht blind überlassen würde
Medizinische Entscheidungen.
Rechtliche Entscheidungen.
Finanzielle Entscheidungen.
Sicherheitskritische Arbeiten.
Elektroinstallationen.
Maschinen.
Alles, bei dem ein Fehler Menschen verletzen oder richtig viel Geld kosten kann.
KI kann dort trotzdem verdammt hilfreich sein.
Erklären.
Vorbereiten.
Unterlagen sortieren.
Fragen formulieren.
Zusammenhänge aufzeigen.
Aber irgendwann muss ein echter Fachmensch ran.
Eine KI kann Euch helfen, einen Arzttermin vorzubereiten oder einen Vertrag besser zu verstehen.
Das macht sie aber weder zum behandelnden Arzt noch zum Anwalt.
Datenschutz gibt es übrigens auch noch
Nur weil KI praktisch ist, muss man ihr nicht automatisch sämtliche Passwörter, Zugangsdaten, Geschäftsgeheimnisse, Familienakten und die PIN der EC-Karte hinwerfen.
Fragt Euch:
Braucht die KI diese Information wirklich?
Ich bin ein großer Freund davon, einer KI relevanten Kontext zu geben.
Relevant ist dabei das entscheidende Wort.
KI macht Euch nicht automatisch schlauer
Ihr könnt KI benutzen, um Dinge zu verstehen.
Oder Ihr könnt sie benutzen, damit sie Euch das Denken komplett abnimmt.
Das sind zwei ziemlich unterschiedliche Sachen.
Zeig mir den Zusammenhang.
Welche Alternativen gibt es?
Wo liegen die Nachteile?
Was spricht gegen meine Annahme?
Was müsste ich lernen, damit ich das selbst verstehe?
Dann wird KI zu einem verdammt mächtigen Lernwerkzeug.
Wenn Ihr dagegen jede Antwort einfach kopiert, habt Ihr am Ende vielleicht ein Ergebnis.
Aber keinen Schimmer, wie Ihr dort hingekommen seid.
Also: einfach anfangen
Ihr braucht keinen Kurs.
Ihr braucht keine 200-seitige Prompt-Bibel.
Ihr braucht keine geheimen Befehle.
Nehmt irgendein kleines Problem aus Eurem Alltag.
Was kann ich aus diesen Zutaten kochen?
Was bedeutet diese Fehlermeldung?
Erklär mir diese Rechnung.
Hilf mir, diese Mail verständlicher zu formulieren.
Welche Schraube brauche ich dafür?
Und wenn die Antwort nicht passt:
Weiterreden.
Nachfragen.
Korrigieren.
Screenshot machen.
Datei hochladen.
Mehr Kontext geben.
Nochmal versuchen.
Genau so habe ich den Umgang mit KI gelernt.
Nicht indem ich zuerst monatelang über künstliche Intelligenz gelesen habe.
Sondern indem ich sie benutzt habe.
Gerade deshalb ist mein wichtigster Rat bei KI für Anfänger ziemlich unspektakulär:
Einfach anfangen.
Heute hängt Ihr mit ihrer Hilfe vielleicht nur ein Bild auf.
Morgen dokumentiert Ihr Euer Heimnetzwerk.
Übermorgen baut Ihr eine Automation, von der Ihr eine Woche vorher noch nicht einmal wusstet, dass Ihr sie gebrauchen könnt.
Und irgendwann sitzt Ihr nachts um halb zwei vor dem Rechner, habt acht Screenshots offen und diskutiert mit einer künstlichen Intelligenz darüber, warum verdammt nochmal die dritte LED am selbstgebauten Fluxkompensator nicht blinkt.
Dann seid Ihr angekommen.
Willkommen im Kaninchenbau.
Häufige Fragen zu KI für Anfänger
Was ist ein guter Einstieg in KI für Anfänger?
Bei KI für Anfänger ist mein Rat ziemlich simpel: Fangt mit einem echten Problem aus Eurem Alltag an und beschreibt der KI, was Ihr erreichen möchtet. Ihr braucht am Anfang weder besondere Befehle noch einen perfekten Prompt.
Muss ich Prompt Engineering lernen, um ChatGPT zu benutzen?
Nein. Für die meisten Alltagsaufgaben sind Kontext, Rückfragen und Korrekturen wichtiger als ein perfekt formulierter Prompt.
Kann ich Antworten einer KI einfach übernehmen?
Nein. Je wichtiger die Aussage ist, desto stärker sollte sie geprüft werden. Gerade bei aktuellen, medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Themen sind Quellen und gegebenenfalls echte Fachleute wichtig.
Kann ich ChatGPT Bilder und Dokumente geben?
Ja. Screenshots, Fotos, PDFs und andere Unterlagen können wesentlich hilfreicher sein als eine ungenaue Beschreibung.
Wie benutze ich KI bei größeren Projekten?
Schrittweise. Anfangen, Ergebnis prüfen, Kontext ergänzen, korrigieren und immer weiter verfeinern. Genau daraus kann irgendwann aus einer kleinen Frage ein komplettes Projekt werden.
